Definition

Postwachstum bedeutet so viel wie "nach dem Wachstum". Degrowth, das englische Pendant, und Decroissance, das französische, bedeuten wörtlich übersetzt "Wachstumsrücknahme". Es geht darum, dass die Wirtschaft nicht mehr weiter wächst oder sogar schrumpft. Der Begriff kann sowohl als mögliche Zukunftsprognose als auch als normatives Konzept einer erstrebenswerten Zukunft gemeint sein. Wobei letzteres darauf beruhen kann, dass Postwachstum an sich erstrebt wird - aber auch darauf, dass Postwachstum aufgrund anderer sonst drohender drastischer Probleme schlicht für ein unausweichlicher Schritt gehalten wird.

Die damit aufgemachte Debatte ist bisher in den Staaten dieser Welt noch ziemlich randständig, doch sie umschreibt eine der zentralen Zukunftsfragen. Das gilt auch dann, wenn man nicht meint, dass Postwachstum beispielsweise zu mehr menschlichem Glück oder zu mehr sozio-ökonomischer Verteilungsgerechtigkeit führen könnte (und man kann das in der Tat ziemlich kontrovers diskutieren). Allein schon aufgrund der ökologischen Gesamtsituation weltweit ist mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Abkehr vom Wachstumsdogma nötig. Zwar lässt sich Umweltschutz auch technisch betreiben, und neue Technik kann man verkaufen und damit Wachstum erzielen. Doch der rein technische Weg wird mit großer Wahrscheinlichkeit nicht ausreichen.

Gleichzeitig wirft die (z.B. ökologisch) notwendige Abkehr vom Wachstum eine Reihe von Folgefragen auf. Wie können der Arbeitsmarkt, der Staatshaushalt, das Unternehmenswesen und die Rentenversicherung in einer Postwachstumsgesellschaft funktionieren, sind doch diese und andere Sektoren bisher essentiell auf Wachstum angewiesen? Es geht dabei nicht nur um visionäre Endzustände, wie einzelne Freunde des Postwachstumsdiskurses mitunter etwas blumig propagieren. Es geht auch darum, konkrete Übergänge, möglichst ohne katastrophale soziale Brüche, zu entwerfen. Mit diesem Themen möchte sich diese Seite beschäftigen und zur Diskussion darüber anregen.