Bruttosozialglück

Das Bruttosozialglück oder auch Bruttonationalglück (aus dem Englischen Gross National Happiness, GNH) ist ein Indikator für Wohlstand und Entwicklung. Er geht auf einen Ausspruch es ehemaligen Königs von Bhutan Jigme Singye Wangchuck zurück, der das Bruttosozialglück und damit das Glück und die Zufriedenheit der Bevölkerung als wichtiger einstufte als das Bruttosozialprodukt. Der Begriff verweist insbesondere darauf, dass Entwicklung mehr Dimensionen aufweist als die eines gesteigerten materiellen Wohlstandes. Ziel der (autoritären) Politik Bhutans ist es offiziell, die Schaffung von politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die den Bewohnern des Landes ermöglichen, ihr individuelles Glück zu finden und zu leben. Dafür sind vier Ebenen von Bedeutung für die Steigerung des Bruttosozialglücks: Die wirtschaftliche Entwicklung, der Schutz der Kultur, der Schutz der Natur und die gute Staatsführung. Wenngleich das Konzept vom Bruttosozialglück viele in Hinblick auf Alternativen zur Wachstumsgesellschaft interessiert, darf nicht aus den Augen verloren werden, dass in der politischen Praxis Bhutans deutliche Mängel, insbesondere in Hinblick auf die menschenrechtliche Situation in Südbhutan und das Fehlen demokratischer Staatlichkeit, bestehen. Zudem ist alles andere als klar, wie Glück empirisch und normativ zu fassen ist. Nicht ohne Grund überlassen liberale Demokratien seit 100-200 Jahren ihren Bürgern selbst, den Weg zum Glück zu finden, und machen dies offiziell nicht zum Gegenstand staatlicher Politik.

Weitere Informationen zum Thema:

  • http://www.thomas-caspari.de/bhutan/gnh/#links [26.06.14].
  • http://othes.univie.ac.at/4362/1/2009-03-31_0101404.pdf [26.06.14]
  • zur empirischen und normativen Seite von Glück auch Ekardt, Theorie der Nachhaltigkeit, Nomos, Neuausgabe Baden-Baden 2011

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