Beschleunigung

Beschleunigung im Sinne der Postwachstumskritik meint das fortwährend zunehmende Tempo des gesellschaftlichen Lebens in Industrie- und Wachstumsgesellschaften. Sie wird insbesondere mit der Globalisierung und Rationalisierung in Zusammenhang gebracht, da Zeitvorteile auch Wettbewerbsvorteile bedeuten und schnelle Produktions- und Arbeitsweisen entsprechend gefordert werden. Gleichzeitig führt die zunehmende Vernetzung der Welt (etwa durch neue Kommunikationstechnologien und Medien) zu einer Beschleunigung des Soziallebens. Letztlich handelt es sich entgegen einer verbreiteten Wahrnehmung um kein ganz neues Phänomen, sondern um eine spezifische Fortführung eines seit Jahrhunderten ablaufenden Rationalisierungsprozesses westlicher Gesellschaften, den beispielsweise Max Weber ausführlich beschrieben hat. Beschleunigung führt, so wird oft geäußert, häufig zu Stress und mangelnder Zeit für persönliche Interessen, die Familie oder ein zivilgesellschaftliches Engagement. Dementsprechend verbinden sich Konzepte für eine Postwachstumsgesellschaft oft mit der Hoffnung, aktuelle Lebensmuster und Arbeitsstrukturen zu entschleunigen, etwa durch Arbeitszeitverkürzungen und generell weniger wirtschaftlichen Verwertungsdruck. Jedoch bildet die aktuelle Diskussion die Ambivalenzen oft nicht hinreichend ab. So ist keineswegs empirisch gesichert, dass ein vermehrtes Auftreten psychischer Auffälligkeiten – und dies dann gerade aus Beschleunigungsgründen – in den letzten Jahrzehnten zu beobachten  ist. Stattdessen sind die entsprechenden Statistiken etwa durch Absatzinteressen der Pharmaindustrie weitgehend verzerrt, und Beschleunigung kann von Menschen in vielerlei Hinsicht auch positiv erlebt werden.

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