Entkopplung

Im Nachhaltigkeitskontext meint Entkopplung, dass das Wirtschaftswachstum vom Ressourcenverbrauch und ferner von allen negativen Umweltauswirkungen durch einen erfolgreichen (rein) technischen Umweltschutz unabhängig gemacht wird. Entkopplung gilt als Kernstrategie der meisten Industrienationen, die ihre Wirtschaft nachhaltiger gestalten wollen, ohne dabei auf eine Steigerung oder zumindest Erhaltung der Wirtschaftskraft zu verzichten. Normalerweise ist das Wachstum der Wirtschaft damit verbunden, das mehr Ressourcen benötigt und die Umwelt stärker belastet werden. Entkopplung als eine Strategie des „Green Growth“ meint, dass die Wirtschaft weiter wachsen und gleichzeitig der Ressourcenverbrauch drastisch sinken kann, ohne dass die Tragfähigkeit des Planeten weiter überschritten wird. Denn neue Technik kann man anders als Verhaltensänderungen beziehungsweise Verzichtsleistungen verkaufen und damit Arbeitsplätze und Wachstum fördern. Eine Einheit des Bruttoinlandsproduktes muss bei dieser Strategie also mit weniger Einheiten Ressourcenverbrauch erzeugt werden. Diese Entkopplung soll insbesondere durch die Steigerung der Ressourcen- und Energieeffizienz sowie durch das Setzen auf regenerative Ressourcen möglich sein, also durch technische Lösungen im Umweltschutz. Bei der absoluten und nicht nur relativen Entkopplung zwischen Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch bleibt der Ressourcenverbrauch auch bei steigendem Bruttoinlandsprodukt konstant oder sinkt. Allerdings bestehen an der rein technischen Lösbarkeit von Umweltproblemen oft gravierende Zweifel (am wenigsten wohl noch beim Klimaschutz). Erstens existieren für einige Teilbereiche wie die Treibhausgasemissionen der Landnutzung kaum technische Lösungen. Zweitens kann das Problemausmaß zu groß sein, um bei anhaltendem Wirtschaftswachstum immer noch eine ausreichende Umweltentlastung zu realisieren. Drittens werden Ressourceneinsparungen häufig durch den sogenannten Rebound-Effekt zunichte gemacht. Dieser Effekt beschreibt, dass Effizienzsteigerungen häufig dazu führen, dass Produkte verstärkt nachgefragt werden, wodurch die Effizienzgewinne zumindest teilweise beseitigt werden.


Weitere Informationen zum Thema:

  • Ekardt, Jahrhundertaufgabe Energiewende, Ch. Links Verlag, Berlin 2014, Abschnitt 12

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