Gemeingut

Ein Gemeingut (auch „öffentliches Gut“, „Allmendegut“ oder „Common“) ist ein Gut, das der Allgemeinheit zur Verfügung steht und dessen Konsum sich durch Nicht-Rivalität und Nicht-Ausschließbarkeit auszeichnet. Es ist damit prinzipiell von allen Menschen nutzbar. Bei einer uneingeschränkten Zugriffsmöglichkeit aller besteht insbesondere bei den klassischen Gemeingütern wie dem globalen Klima und natürlichen Ressourcen die Gefahr einer vorzeitigen Erschöpfung oder auch Schädigung durch Übernutzung der Ressource. Eine fehlende Regulierung führt tendenziell dazu, dass die individuellen Nutzer des Gutes die von ihm verursachten Nutzungskosten nicht berücksichtigen und es keinen Anreiz gibt, sparsam mit der Ressource umzugehen. Dieses Marktversagen kann durch Beschränkungen und Änderungen der Nutzungsrechte, steuerpolitische Maßnahmen oder marktbasierte Instrumente wie Emissionshandelssysteme behoben werden.
Konzepte aus der Richtung Postwachstumsökonomie und solidarische Ökonomie verlangen eine Neuaushandlung des Verhältnisses von privaten zu öffentlichen Gütern und fragen nach der Rolle von Staat und Institutionen wie Stiftungen, Genossenschaften, Privatunternehmen oder Vereinen bei der Produktion von Gemeingütern, womit neben natürlichen Ressourcen insbesondere auch immaterielle Güter wie kulturelles Erbe, handwerkliche Fähigkeiten, Traditionen oder Künste gemeint sind. In diesem Sinne bezeichnet der englische Begriff „Commons“ nicht nur eine Ressource, sondern eine bestimmte Art des Umgangs von Menschen miteinander und mit Ressourcen. Die wichtigsten Prinzipien in diesem Zusammenhang sind Kooperation, Kommunikation und Austausch sowie die selbstbestimmte, gemeinschaftliche Nutzung von Ressourcen, deren Erhalt und deren Pflege. Allerdings verbinden sich solche Vorstellungen mit vielen offenen Fragen, z.B.: Was genau ist gemeint? Wie wirtschaftlich tragfähig sind solche Konzepte? Wie ist deskriptiv und normativ generell das Verhältnis von Konkurrenz und Kooperation? Und sind solche Ansätze nicht lediglich ein weiterer der historisch vielen Versuche, das Ergänzungsverhältnis einseitig zugunsten der kooperativen Seite aufzulösen (sowohl in der Beschreibung als auch hinsichtlich des als wünschenswert ausgewiesenen Ziels)? Da es eine Vielzahl von Dingen gibt, die als Commons benannt werden könnten – etwa Grund und Boden, Saatgut, Rohstoffe, Wasser, Wissen, Kunst und Kultur, Sprache, Gesundheits- oder Bildungssysteme oder auch freie Software, muss es auch eine gewisse Vielgestaltigkeit von Regelungen für den Umgang mit diesen Gemeingütern geben.

Weitere Informationen zum Thema:

  • http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/1070/allmenderessource-v7.html [17.03.14]
  • http://www.commonopolis.de/index.php/Kategorie:Commons-einfach [26.08.14]
  • Seidl, Irmi/Zahrnt, Angelika: Postwachstumsgesellschaft. Konzepte für die Zukunft. Metropolis-Verlag, Marburg 2010, S. 233

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