Nachhaltigkeit/ nachhaltige Entwicklung

Der Nachhaltigkeitsgedanke stammt vom Wort her ursprünglich aus der Forstwirtschaft und entstand im 18. Jahrhundert. Insbesondere der sächsische Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz stellte damals verschiedene Grundsätze auf, um dauerhaft ausreichende Holzmengen zur Verfügung zu stellen, insbesondere indem nicht mehr Bäume geschlagen werden durften, als nachwachsen konnten.
In die aktuelle politische Diskussion kam der Begriff Nachhaltigkeit insbesondere durch den Bericht des Clubs of Rome „The Limits to Growth“ („Die Grenzen des Wachstums“) von 1972 sowie durch den Brundtland-Report „Our common Future“ („Unsere gemeinsame Zukunft“) von 1987, der die nachhaltige Entwicklung als eine langfristig naturverträgliche Entwicklung beschreibt, „die den Bedürfnissen der heutigen Generationen entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen.“ Spätestens seit dem Weltgipfel 1992 im Rio de Janeiro entwickelte sich das Leitbild der Nachhaltigkeit – als Verknüpfung von Umwelt- und Entwicklungspolitik und im Sinne einer intertemporalen und grenzüberschreitenden Gerechtigkeitsvorstellung – zu einem politischen Leitbild, auch über jene Politikfelder hinaus. Insbesondere die Weltwirtschaft soll sich zunehmend am Leitbild der Nachhaltigkeit orientieren, und Konzepte vom grünen Wirtschaftswachstum oder der Entkopplung von Ressourcenverbrauch und Wachstum gewinnen an Bedeutung.
Heutzutage gibt es eine Reihe von Nachhaltigkeitsdefinitionen. In der aktuellen politischen Diskussion ist der Begriff Nachhaltigkeit mittlerweile allerdings stark verwässert. Nachhaltigkeit wird dabei häufig als bloßes Drei-Säulen-Modell verstanden, bei dem sich die Säulen Ökologie, Ökonomie und Soziales zuweilen auch ausgleichen können, während die globale und die intergenerationelle Dimension des Begriffes Nachhaltigkeit in den Hintergrund gerückt zu werden drohen. Ob als Nachhaltigkeitsstrategie neben technischen Optionen wie dem verstärkten Einsatz von erneuerbaren Ressourcen und Energieeffizienz auch Verhaltensänderungen, also die Reduktion von Konsum, erforderlich sind, hängt davon ab, wie weitreichend technische Optionen ökologische Probleme lösen. Selbst bei relativ gut technisch anzugehenden Problemen wie dem Klimawandel lassen das Problemausmaß und die schwierige technische Bearbeitbarkeit einiger Lebensbereiche (wie z.B. Ernährung) allerdings Zweifel an einer rein technischen – bisher Politik und Öffentlichkeit dominierenden – Strategie entstehen. Da Technik wachstumskompatibel sein kann, Verhaltensänderungen im Sinne von Verzichtsleistungen dagegen weniger, bedeutet eine Abkehr vom rein technischen Denken zugleich perspektivisch mit erheblicher Wahrscheinlichkeit einen Übergang zur Postwachstumsgesellschaft. Eine wirksame Umweltpolitik setzt damit auch die Folgeprobleme von Postwachstum für Arbeitsmarkt, Bankensystem, Unternehmen, Sozialversicherung u.a.m. auf die Tagesordnung.

Weitere Informationen zum Thema:

  • Ekardt, Theorie der Nachhaltigkeit, Nomos, Neuausgabe Baden-Baden 2011, § 1 C
  • Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU): Welt im Wandel. Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation. Berlin 2011, S. 419 und passim [30.08.14]
  • Ekardt, Jahrhundertaufgabe Energiewende, Ch. Links Verlag, Berlin 2014, Abschnitt 12, 13 und 29

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