solidarische Ökonomie

Solidarische Ökonomie ist ein Dachbegriff für alternative Wirtschaftsformen, die im Gegensatz zu einer Wirtschaft stehen, die auf Konkurrenz, Gewinnmaximierung und Wirtschaftswachstum abzielt, so wie es in der Regel in kapitalistischen Systemen der Fall ist. Stattdessen soll der Nutzen für die Beteiligten im Vordergrund stehen. Die solidarische Ökonomie orientiert sich ihrem Selbstverständnis zufolge an den Bedürfnissen der Menschen und berücksichtigt auch zukünftige Generationen und damit die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen. Eine einheitliche Definition des solidarischen Wirtschaftens gibt es nicht, aber es gibt häufige Merkmale solidarischer Wirtschaftsformen: Sie leisten einen Beitrag zum Lebensunterhalt der Beteiligten. Sie sind selbstverwaltet, was bedeutet, dass sich die Produktionsmittel im kollektiven Eigentum befinden. Sie bauen auf Kooperation. Entscheidungen werden gemeinsam und demokratisch getroffen. Und sie stellen eine solidarische Beziehung zur Gesellschaft her, bspw. durch übergeordnete Verbände.
Ein Leitbild der solidarischen Ökonomie ist in ihrem Selbstverständnis, dass alle Menschen das Recht auf Zugang zu allem haben, was sie physisch, psychisch und geistig brauchen, um ein gutes Leben in selbstgewählten sozialen Zusammenhängen führen zu können.
Bei solidarischen Wirtschaftsformen kann es sich sowohl um theoretische Konzepte als auch um praktische Projekte handeln. Häufig sind solidarische Wirtschaftsaktivitäten auf der lokalen Ebene angesiedelt, bspw. Ökodörfer, Regionalwährungen, Garten- oder Wohnraumprojekte, gemeinschaftlich organisierte und selbstverwaltete Betriebe, Gesundheits-, Kultur-, und Bildungseinrichtungen oder Genossenschaften und Tauschringe sowie Initiativen im Bereich der Ernährungssouveränität, bspw. die sogenannten Food-Coops (Einkaufsgenossenschaften, meist für regionale und biologische Produkte). Solidarisches Wirtschaften kann sich aber auch auf größere Regionen beziehen und auf (fast) globaler Ebene stattfinden, wie es beispielsweise beim Fairen Handel angestrebt wird.
Freilich gibt es viele offene Fragen. Was sind beispielsweise die „wahren“ Bedürfnisse, die zu befriedigen sind? Und wie wird belegt, dass „der“ Kapitalismus diese Fähigkeit nicht habe? Wie geht man ferner damit um, dass Menschen rein faktisch neben einer kooperativen Neigung meist auch eine kompetitive Neigung haben – und dass gerade dieses Spannungsverhältnis vielfältige positive gesellschaftliche Auswirkungen erzeugen kann? Die überzogene Konkurrenzlogik des Neoliberalismus droht hier ein genaues Gegenbild zu motivieren, ohne hinreichend Raum für differenzierte Zwischenvarianten zu lassen.


Weitere Informationen zum Thema:

  • Lebensministerium (Hg.): Zukunftsdossier No. 3: Alternative Wirtschafts- und Gesellschaftskonzepte. September 2012. Online abrufbar unter: http://www.nachhaltigkeit.info/media/1384510071phppDcfjA.pdf?sid=e27
    fea33ef0d9367f4e3467a9d1550a5 [11.07.14]

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