Bruttoinlandsprodukt (BIP)

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist das Maß für die gesamte wirtschaftliche Leistung in einer Volkswirtschaft in einer Periode, meist in einem Jahr. Es ist in erster Linie ein Produktionsmaß, das als Indikator für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft gilt. Es gibt Auskunft über die Produktion von Waren und Dienstleistungen im Inland nach Abzug der Vorleistungen und Importe. Das BIP errechnet sich durch die Addition der Wertschöpfung der betreffenden Volkswirtschaft, wobei kein Produkt mehrfach erfasst werden darf. Vom BIP gelangt man zum Bruttonationaleinkommen (BNE) bzw. Bruttosozialprodukt (BSP), indem der Saldo der Primäreinkommen gegenüber dem Ausland abgezogen wird.
Das BIP als Wohlstands- und Wachstums-Indikator wird insbesondere aus folgenden Gründen kritisiert:

  • Unzureichende Erfassung aller in einer Volkswirtschaft erbrachten Leistungen, insbesondere Leistungen, die innerhalb von Haushalten erbracht werden, soziale und ehrenamtliche Leistungen, Nachbarschaftshilfe sowie alle Leistungen, die nicht auf offiziellen Märkten getauscht werden, sondern der sogenannten Schattenwirtschaft zugerechnet werden;
  • Unzureichende Berücksichtigung von bestimmten qualitativen Eigenschaften der wirtschaftlichen Entwicklung, bspw. eine Verringerung der Ungleichheit der Einkommensverteilung und eine möglichst geringe Beeinträchtigung der Umwelt;
  • Steigerung des BIPs durch negative Einflüsse wie Umweltzerstörung, Naturkatastrophen oder Kriege;
  • Zweifel an der Wachstumsorientierung als solcher.

Zum BIP haben sich verschiedene Alternativen entwickelt, beispielsweise der Human Development Index, der Nationale Wohlfahrtsindex, das Bruttosozialglück und der Happy Planet Index. Die Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität - Wege zu nachhaltigem Wirtschaften und gesellschaftlichem Fortschritt in der Sozialen Marktwirtschaft“ des Deutschen Bundestages hat sich zum Ziel gesetzt, einen Wohlstandsindex zu entwickeln, der vergleichbar, glaubwürdig und gut nachvollziehbar ist. Das vorgeschlagene, neue Wohlstands- und Fortschrittsmaß „W3-Indikatoren“ greift die Erkenntnis auf, dass Wohlstand mehr ist als materieller Reichtum und besteht aus zehn Variablen aus den drei Bereichen Materieller Wohlstand/Ökonomie, Ökologie und Soziales/Teilhabe. Allen alternativen Ansätzen ist freilich gemeinsam, dass sie mit größeren Erfassungsunsicherheiten verbunden sind und die Auswahl der Gesichtspunkte keineswegs zwingend erscheint.


Weitere Informationen zum Thema:

  • Paschke, Dennis: Grundlagen der Volkswirtschaftslehre anschaulich dargestellt. 5. Auflage, Heidenau 2007, S. 149 f.
  • http://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2010/32467716_kw48
    _de_wohlstandsenquete/203414 [23.06.14]
  • http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/57565/bruttoinlandsprodukt-bip-v6.html [17.03.14]
  • http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/54614/wachstum-v7.html[17.03.13]

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