Wachstumsrücknahme

Wachstumsrücknahme (englisch „degrowth“, französisch „décroissance“) bedeutet eine Abkehr vom Ziel des Wirtschaftswachstums. Statt einer jährlichen Steigerung des Bruttoinlandsproduktes wird lediglich die Beibehaltung oder vielmehr eine Schrumpfung desselben angestrebt. Durch Rücknahme des Konsums und der Produktionssteigerung soll die Umwelt- und Ressourcenbelastung eingedämmt werden und der Fokus auf andere, Lebensqualität verbessernde Aspekte jenseits von Wirtschaftswachstum und Konsum gelegt werden. Mit der Wachstumsrücknahme wie die Postwachstumsbewegung sie fordert gehen verschiedene Aspekte einher, beispielsweise mehr Suffizienz und Verzicht auf (unnötigen) Konsum, eine bessere Work-Life-Balance, d.h. gegebenenfalls Arbeitszeitverkürzungen, mehr Eigen- und Heimarbeit sowie Nachbarschaftshilfe und gesellschaftliches Engagement, mehr Tauschwirtschaft, Reparatur und Selbstversorgung. Auch wenn das Ziel der Wachstumsrücknahme verfolgt wird, kann es in einigen Bereichen noch Wachstum geben, insbesondere im Sinne eines qualitativen Wachstums (beispielsweise hochwertigere, langlebigere, reparierfähige und umweltfreundliche Produkte) und im Sinne eines selektiven Wachstums (einige Bereiche wie die Branche der erneuerbaren Energien oder der umweltschonenden Technologien wachsen, während andere stagnieren oder schrumpfen). Entscheidend für die Wachstumsrücknahme ist daher eine Überwindung von systemimmanenten Wachstumszwängen. Wachstumsrücknahme bedeutet nicht zwangsläufig, dass Wohlstand und Lebensqualität sinken. Im Gegenteil könnte die Verabschiedung vom Wachstumsparadigma Chancen für ein gesteigertes Wohlbefinden, ein gutes Leben und eine Entschleunigung bieten, die es möglich macht, sozialen und ökologischen Aspekten mehr Raum im Leben zu geben. Einerlei ob man Wachstumsrücknahme aus genannten Gründen als positives Ziel oder nur als unvermeidliche Folge eines wirksamen (und nicht rein technisch möglichen) Umweltschutzes sieht, besteht jedoch deutlicher Forschungsbedarf nach Konzepten für den Übergang. Denn bisher sind wesentliche Teilsysteme moderner Gesellschaften wie Arbeitsmarkt und Unternehmen stark vom Wachstum abhängig, unterliegen also Wachstumszwängen.


Informationen zum Thema unter:

  • http://fakten-uber.de/wachstumsrücknahme [15.07.14]

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