Selbstversorgung

Selbstversorgung meint eine autonome, von anderen Personen oder Einrichtungen unabhängige Lebensweise, bei der die Dinge, die für das Leben notwendig sind und gewöhnlicher Weise käuflich erworben werden, eigenständig bereitgestellt werden. Selbstversorgung bezieht sich insbesondere auf den eigenen Anbau von Nahrungsmitteln, beispielsweise durch gemeinschaftliche Garten- oder Landwirtschaftsprojekte, zum Beispiel in Form von Urban Gardening oder solidarischen Landwirtschaftsprojekten. Selbstversorgung kann aber auch auf anderen Wegen umgesetzt werden, beispielsweise durch die eigene Energie- und Wärmegewinnung mithilfe erneuerbarer Energien, durch die eigene Herstellung von Kleidungsstücken oder durch Handwerks- und Reparaturleistungen, die zur Unabhängigkeit von anderen, kommerziellen Dienstleistern beitragen. Bei der Selbstversorgung sind der Produzent und der Konsument streng genommen identisch. Selbstversorgung muss sich aber nicht auf eine einzelne Person beziehen, auch der Zusammenschluss verschiedener Menschen, bei dem jeder seine Fähigkeiten und Fertigkeiten mit einbringt, kann als Selbstversorgungsstruktur gewertet werden. Selbstversorgung birgt viele Vorteile, beispielsweise das Wissen darum, wie, wo, von wem und zu welchem Preis die Güter hergestellt wurden. Sie stärkt lokale Wirtschaftskreisläufe, führt häufig zu mehr gesellschaftlichem Zusammenhalt durch Austausch und trägt zur Unabhängigkeit von Krisen, Versorgungsengpässen oder Preisschwankungen bei. Außerdem führt sie zu mehr Wertschätzung der Güter durch einen besseren Bezug zu diesen.
Schließen sich mehrere Selbstversorger zusammen, etwa durch Teilen der Arbeit, Austauschen der Geräte und Produkte, gemeinsames Investieren oder gemeinschaftliche Organisation und Koordination, spricht man von Subsistenzwirtschaft. Dies geht allerdings wesentlich weiter als lediglich die Bereitstellung einzelner Güter, wie sie z.B. für Urban-Gardening-Projekte charakteristisch ist. In der Postwachstumsbewegung manchmal wenig diskutiert wird bisher, inwieweit eine weitgehende Selbstversorgung tatsächlich erstrebenswert ist und wie sich dies zu den (jahrtausendelangen) historischen Erfahrungen mit Subsistenzwirtschaft – und ihrer noch heute anhaltenden Praxis in weiten Teilen der Welt – verhält.

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